Wie finden Eltern eine gute Geburtsklinik?

Ein Rechercheprojekt des Science Media Centers Germany

Was war der Anlass?

Zurzeit sind viele Eltern verunsichert: Wegen der Corona-Pandemie sind seit langem in fast allen Krankenhäusern die Kreißsaalführungen ausgesetzt, die für werdende Eltern laut Studien eine der zentralen Informationsquellen vor einer Geburt sind. Wie und wo sollen sie sich nun am besten über die Geburtskliniken informieren, die in ihrer Region in Frage kommen? Das Science Media Center (SMC) hat aus diesem Grund nach öffentlichen und online verfügbaren Daten zu geburtshilflichen Abteilungen gesucht und eine bundesweite Umfrage zur Personalsituation in Geburtskliniken angestoßen. Eine schwierige Geburt! Wir möchten mit dieser Recherche einen ersten Schritt gehen – für mehr Transparenz in der Geburtshilfe.

Was haben wir recherchiert?

Wir haben mit Eltern gesprochen und wissenschaftliche Fachliteratur herangezogen, um zu verstehen, was sich werdende Mütter und Väter von einer Geburtsklinik wünschen. Ebenso haben wir mit vielen Hebammen, Ärztinnen und Ärzten gesprochen, die in geburtshilflichen Abteilungen arbeiten. Wir haben nachgefragt, was ihrer Meinung nach Eltern unbedingt wissen sollten, bevor sie sich für eine Geburtsklinik entscheiden. Heraus kam: Eltern und Fachleute finden größtenteils dieselben Kriterien wichtig. Alle wünschen sich eine gute Betreuung durch Hebammen – und im Notfall schnelle professionelle Hilfe von Ärztinnen und Ärzten. Es gehe immer „um den Faktor Mensch“, erklärte Prof. Dr. Frank Louwen, Vize-Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), gegenüber dem SMC: „Die entscheidende Frage ist: Wer ist bei mir, wenn ich mein Kind bekomme? Sind ausreichend Hebammen vorhanden, damit ich gut unterstützt werde? Sind rund um die Uhr qualifizierte Ärztinnen und Ärzte vor Ort?“ Informationen zum Personal in Geburtskliniken gibt es aber bislang für Eltern nicht. Sie werden entweder von den zuständigen Institutionen gar nicht erhoben oder lediglich in Fachpublikationen veröffentlicht.

Das SMC hat daher die wenigen öffentlichen Daten analysiert, überprüft und ergänzt. Zudem haben wir mit Hilfe von zwölf journalistischen Medienpartnern alle Geburtskliniken in Deutschland um Auskünfte zu ihrer Personalsituation gebeten.

Wie viele Kliniken haben sich an der Umfrage beteiligt?

Es gibt derzeit 642 Geburtskliniken in Deutschland. Wir haben auf unsere Fragen bisher von 368 Kliniken Antworten erhalten. Das sind rund 57 Prozent. Die Teilnahme war von Bundesland zu Bundesland sehr unterschiedlich. So haben in Berlin, Brandenburg, Bremen, Rheinland-Pfalz, Sachsen und im Saarland jeweils mehr als drei Viertel aller Kliniken geantwortet. In Bayern und Sachsen-Anhalt waren es nur rund ein Drittel.

Welche Informationen liegen nun vor?

Zu allen Kliniken liegen Informationen dazu vor, wie viele Geburten sie im Jahr betreuen, wie hoch ihre Kaiserschnittrate ist und ob sie eine Kinderklinik haben. Zu 439 Kliniken können wir angeben, welche der wichtigen Ärztinnen und Ärzte rund um die Uhr vor Ort sind. Dabei geht es um Fachärztinnen und Fachärzte für Gynäkologie und Geburtshilfe, für Anästhesie und für Kinderheilkunde. 282 Kliniken haben uns angegeben, wie viele Hebammen in ihrem Kreißsaal arbeiten. Alle diese Informationen liegen nun erstmals im „Kreißsaal-Navigator“ gebündelt vor.

Die Auswertung all dieser Informationen hat ergeben, dass die Geburtshilfe in den Bundesländern erhebliche Unterschiede aufweist. So gibt es in Bremen und in den ostdeutschen Bundesländern Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt nur wenige sogenannte "reine Geburtskliniken". Diese zeichnen sich dadurch aus, dass es für sie kaum gesetzliche Regelungen zur Anwesenheit von Personal gibt. Fachärztinnen, Fachärzte und Hebammen müssen nicht rund um die Uhr vor Ort sein. Kinderkliniken sind nicht angeschlossen.

Vor allem die ständige Anwesenheit von Kinderärztinnen und -ärzten in den Kliniken können Eltern nicht überall voraussetzen. Für die Länder mit guter Datenlage lassen sich erhebliche Unterschiede erkennen: So haben in Brandenburg nur 16 Prozent aller Geburtskliniken angegeben, dass sie nicht immer Fachärztinnen oder -ärzte vorhalten. In Rheinland-Pfalz sind es 48,3 Prozent.

Welche Medien waren an diesem Recherche-Projekt beteiligt?

Wir konnten insgesamt zwölf Regionalmedien aus ganz Deutschland gewinnen. Regionale Zeitungen oder Sender verfügen oft über gute Kontakte zu den Krankenhäusern in ihrem Bundesland. Das war für die Umfrage unter Geburtskliniken wichtig. Beteiligt waren:

Was ist das Science Media Center?

Das Science Media Center (SMC) ist eine gemeinnützige Organisation, die Journalistinnen und Journalisten bei der Berichterstattung über Wissenschaft unterstützt und Hintergrundrecherchen zu wichtigen wissenschaftlichen Themen anstößt. Mehr Informationen: www.sciencemediacenter.de